Wieder mal – Zensur im Mitteilungsblatt

Leider müssen wir in regelmäßigen Abständen an dieser Stelle über Zensur im Mitteilungsblatt (MB) der Gemeinde Kernen berichten. Wenn Sie auf dieser Seite runterscrollen, werden Sie einige Beispiele aus den letzten Jahren dafür finden.
Dann ist wieder ein paar Wochen Ruhe, bevor die Zensur wieder zuschlägt. Und zwar ist es eine KI, eine Künstliche Intelligenz, die die Beiträge, die wir ins System der Druckerei Grübel (die macht das MB) einstellen, „gegenliest“ und bestimmte politische Formulierungen „beanstandet“. Die „Beanstandungen“ werden an die zuständige Person im Rathaus Kernen weitergeleitet. Und diese Person entscheidet dann, ob der Beitrag abgedruckt wird oder nicht. Wenn wir Glück haben, bekommen wir vorher eine Benachrichtigung, was zensiert werden soll und können eventuell berichtigen. Aber es kommt leider auch vor, dass der gesamte Beitrag (ohne Rücksprache) rausgenommen wird und nicht im gedruckten MB erscheint.
Nebenbei bemerkt: Wenn Sie das MB aufschlagen (oder im Internet angucken) und es ist kein Beitrag des PFB drin, können Sie davon ausgehen, dass der Beitrag zensiert wurde. Weil normalerweise schreiben wir j e d e Woche einen PFB-Beitrag fürs MB. Am besten dann unsere Webseite angucken, ob der zensierte Beitrag dort zu finden ist. So wie diese Woche.
Durch die Zensur wird von Seiten der Rathausspitze gewährleistet, dass in den Rubriken der Gemeinderatsfraktionen nur dem Rathaus genehme und stromlinenförmige Beiträge erscheinen. Das ist eigentlich nicht der Sinn eines demokratischen Gemeinwesens, das ja von unterschiedlichen Meinungen und dem Austausch darüber lebt.
Ganz abgesehen von dem mangelnden Respekt von Seiten der Rathausspitze, der gegenüber den Personen und Vereinigungen zum Ausdruck kommt, die sich politisch engagieren, und viel Zeit und Energie dafür aufwenden, Beiträge fürs MB zu schreiben, damit dieses ein lebendiger Ort des Meinungsaustausches ist und bleibt.
Untenstehend finden Sie den zensierten Beitrag für das Mitteilungsblatt 37-2026.

Dem untenstehenden PFB-Beitrag für das Mitteilungsblatt 38-2026 erging es ein bisschen besser. Er wurde nur teilweise zensiert. Die beanstandeten bzw. zensierten Sätze sind rot markiert.
Dazu ein paar Bemerkungen zu einem der beanstandeten Sätze: …statt Unterordnung unter die Vorgaben der USA. Das dürfen wir also nicht schreiben, dass sich Deutschland bzw. die EU den Vorgaben der USA unterordndet. Wir erinnern deshalb an die berühmte Szene beim ersten Besuch von Ex-Bundeskanzler Scholz am 7. Februard 2022 bei Joe Biden im Weißen Haus. Befragt – bei einem evtl. Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine – nach dem Schicksal der Gaspipeline Nordstream 2, die ja unter deutscher Kontrolle sei, sagte Biden: „There will be no longer Nord Stream 2. We will bring an end to it“.
Nachzuhören ab Minute 0:35 auf youtube.com unter dem Link: https://www.youtube.com/watch?v=31hZwgD4Gnc
Scholz stand bedröppelt daneben.
Es ist doch eine unglaubliche Anmaßung von Seiten des Rathauses, darüber entscheiden zu wollen und zu können, welche Sätze in der politischen Debatte in unserer Gemeinde gesagt bzw. geschrieben werden dürfen und welche nicht.
Ebbe Kögel, Vorstand PFB-WählerInnen-Vereinigung

PFB-WählerInnen-Vereinigung für Mitteilungsblatt Kernen 37-2026 vom 3.9.2026 – komplett zensiert

Unsere Gemeinde in einem gemeinsamen Europa (1)
Der große Verdienst des ehemaligen Nachkriegs-Bundeskanzlers Adenauer (CDU) war die Aussöhnung und die Freundschaft mit dem ehemaligen Erzfeind Frankreich. Und der Gründung des deutsch-französischen Jugendwerks. Dieser Prozess hatte in den 1970er Jahren Auswirkungen bis auf unsere lokale Ebene, durch der Gründung der Partnerschaftsvereine Stetten/St. Pierre d’Albigny und Rom/St. Rambert d’Albon. Leider war es durch die Einbindung der BRD in die NATO und den von den USA geführten „Kalten Krieg“ nicht möglich, entsprechende Aussöhnungsprozesse mit den von der Wehrmacht überfallenen und zerstörten Ländern Polen und Sowjetunion in Gang zu bringen. Auch nicht nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“.
Immerhin wurden viele Länder Osteuropas nach 1989 Teil des vereinigten Europas, der EU. 
Aber die große Frage ist: was ist das für eine EU? Ist es ein basisdemokratisches Europa der Völker oder Regionen oder ein Europa des Kapitals mit einer abgehobenen (und nicht demokratisch kontrollierten) EU-Kommission in Brüssel?
Diese Fragen versucht die Politikprofessorin und Buchautorin Ulrike Guerot am Sa, 3.10.26 um 17 Uhr in der Glockenkelter zu beantworten. Sie liest bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Allmende aus ihrem neuen Buch „Endlich Europa – wie die Europäische Republik wahr wurde“.

Ulrike Guerot, Jahrgang 1964, begann ihre politische „Karriere“ im Ring Christlich Demokratischer Studenten RCDS. Nach ihrem politikwissenschaftlichen Studium arbeitete sie u.a. in der EU-Kommission. Sehr früh engagierte sie sich europapolitisch und entwickelte die Idee einer europäischen Republik jenseits nationaler Grenzen. (Forts. folgt)

PFB-WählerInnen-Vereinigung für Mitteilungsblatt Kernen 38-2026 vom 17.9.2026

Ursprünglich eingestellte Fassung, beanstandete Sätze in rot

Lesung mit Ulrike Guerot am 3.10.
Die bekannte Professorin und Buchautorin Ulrike Guerot kommt am Sa 3.10. um 17 Uhr in die Glockenkelter (Feiertag!). Bei einer Veranstaltung von Allmende + PFB liest sie aus ihrem Buch „Endlich Europa – Wie die Europäische Republik wahr wurde“, das just zu dieser Lesung erscheint. 
Vor 10 Jahren schrieb Frau Guérot den Bestseller „Warum Europa eine Republik werden muss. Eine politische Utopie“. Jetzt holt sie die Utopie in die Wirklichkeit. Denn die Menschen auf unserem Kontinent sehnen sich nach einem funktionierenden Europa: Diplomatisch, dem Frieden verpflichtet und neutral. Politisch geeint, sozial, gerecht und modern. Dezentral, emanzipiert, souverän und einflussreich in der Welt. Mit starken Regionen statt Nationalstaaten, die nichts mehr zu sagen haben. Der Welt zugetan statt anderen überhebliche Ratschläge zu erteilen. Geschichte und Rückgrat statt Unterordnung unter die Vorgaben der USA. Friedensordnung mit Russland statt Aufrüstung. Das alles wäre idealerweise die Europäische Republik. Und sie finge bei uns an.

Ulrike Guerot war vor 3 Jahren schon mal bei uns zu Gast. Damals ausverkauft. Deshalb wird für den 3.10. eine Voranmeldung bzw. Reservierung empfohlen. Email an info@allmende-stetten.de oder Tel. 42866


Nachbemerkung zu diesem Beitrag: Selbstverständlich wird Ulrike Guerot bei ihrer Lesung auch auf diese Zensurmaßnahmen bzw. auf die bundesweiten Auseinandersetzungen um ihre Person eingehen.


Wir würden den folgenden Plakat-Text (von J. Wollbold, eigener Entwurf, CCB, Wikipedia gemeinfrei) leicht abändern:
„Demokratie ist, wenn du sagen darfst, dass du nicht alles schreiben darfst“

: „Demokratie ist, wenn du sagen darfst, dass du nicht alles schreiben darfst“