Mit Künstlicher Intelligenz in eine tolle Zukunft? (2)

PFB WählerInnen-Vereinigung für Mitteilungsblatt Kernen 28-2026 vom 9. Juli 2026
Letzte Woche starteten wir mit unseren Überlegungen zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (abgekürzt: KI, manchmal auch AI, von englisch „Artificial Intelligence“), die sich, erst 2022 „erfunden“, rasant weiterverbreitet. Das meist benutzte System ist ChatGPT (von englisch „chat“ = sich unterhalten), mit dem die NutzerInnen über Textnachrichten oder Bilder ähnlich wie mit einem Menschen in Verbindung treten können. Es kann Bedienungsanleitungen oder Artikel schreiben oder alle Fragen dieser Welt beantworten, für die wir früher ein dickes Lexikon brauchten. Die NutzerInnen sind begeistert. 
KI hat aber auch viele problematische Seiten. Damit es funktioniert, müssen riesige Rechenzentren gebaut werden. Diese verbrauchen enorm viel Strom und Wasser (zur Kühlung). KI verleiht den wenigen Konzernen, die sie anbieten, eine enorme wirtschaftliche + politische Macht. 
Auch auf dem Rathaus wird KI eingesetzt. Z.B. für die Erstellung von Niederschriften von Gemeinderatssitzungen. Und zur Kontrolle von Artikeln für Mitteilungsblatts, ob diese mit dem Redaktionsstatut übereinstimmen. Die Einreicher erhalten dann ein von der KI erstelltes Schreiben, was beanstandet wird. Vor 14 Tagen passierte etwas Merkwürdiges: die KI bemängelte einen Satz, den wir gar nicht geschrieben hatten. Sie hat, wie es in der Fachsprache heisst, „halluziniert“. Das ist, wie wenn Sie etwas hören, obwohl niemand spricht. Wie das online-Lexikon wikipedia schreibt, kommt dies immer öfter vor und ist eine große Gefahr. Den Hintergrund zum beanstandeten Artikel und die „Halluzination“ finden Sie auf unserer Webseite www.pfb-kernen.de. (Forts. folgt)

Beantwortung einer Frage an die Künstliche Intelligenz (KI) von ChatGPT, die Funktionsweise des Wikipedia Online Lexikons zu veranschaulichen. Foto von wikipedia.org, gemeinfrei

DIe KI-Halluzination und ihr Hintergrund – ein ausführlicher Bericht

Für alle, die sich für den Hintergrund der oben kurz erwähnten KI-Halluzination interessierten, hier die Entstehungs- bzw. Vorgeschichte:
Für das Mitteilungsblatt Nr. 26-2026 (und nochmal wiederholt für das Mitteilungsblatt Nr. 27-2026 – siehe den untenstehenden Screenshot) hat unser PFB-Gemeinderat Hans-Peter Ruff den folgenden Artikel „Nein, es war kein Tribunal“ geschrieben. Darin kritisierte er das Abstimmungsverhalten seiner GR-KollegInnen im Verwaltungsausschuss, als dort die Zuschussanträge der beiden Vereine K21 Kernen + David-Pfeffer-Geschichtswerkstatt mit großer Mehrheit abgelehnt wurden. [Nur Hape Ruff vom PFB und Mathias Kramer von der OGL stimmten dafür]. Eine ausführliche Darstellung des ganzen Vorgangs finden Sie übrigens auf der Webseite www.kernen21.de.

In einer Email der Gemeindeverwaltung an Hape Ruff wurde der Nicht-Abdruck des Beitrags mit folgender Begründung abgelehnt:

Sehr geehrter Herr Ruff,
vielen Dank für Ihre Einsendung. Ihr Beitrag liegt in einem Bereich, der eine redaktionelle Einzelfallentscheidung erfordert. Damit wir eine faire Lösung finden, bitten wir um eine kurze Stellungnahme und um eine überarbeitete Fassung.

Im Hinblick auf die inhaltliche Ausrichtung ist für Beiträge politischer Akteure nach Abschnitt 5.1 maßgeblich, dass „eigene Ziele“ erkennbar sind. In Ihrem Text ist zwar eine grundsätzliche Haltung zugunsten von Vereinen und gegen bürokratische Hürden erkennbar, der Schwerpunkt liegt aber über weite Strecken auf der Kritik am Verhalten anderer Gremienmitglieder und auf der Bewertung eines konkreten Vorgangs. Damit stellt sich die Frage, ob die eigenen politischen Ziele Ihrer Partei im Beitrag ausreichend klar und vorrangig dargestellt sind oder ob diese noch deutlicher herausgearbeitet werden sollten.

Daneben gilt nach Abschnitt 3.8 für alle Beiträge der Maßstab „Toleranz, Sachlichkeit, Fairness“. Problematisch erscheinen hierbei insbesondere Formulierungen wie „werden ihnen seit Jahren bürokratische Probleme gemacht“, weil diese einen pauschalen Vorwurf enthalten, ohne ihn im Text näher einzuordnen. Auch die Passage „wie man hört, im Verwaltungsausschuss emotional diskutiert“ ist in dieser Form grenzwertig, weil sie eine zugespitzte Bewertung eines Sitzungsverlaufs enthält, ohne dass die Aussage im Beitrag weiter belegt oder präzisiert wird.

Besonders kritisch ist im Rahmen von Abschnitt 5.1 die Kommentierung anderer. Dort ist als Maßstab vorgegeben, dass die Kommentierung anderer nur in zulässiger Form erfolgen darf. Die Formulierung „Was steckt hinter der Haltung genau dieser Kommunalpolitiker? Neid, fehlende Einsicht oder Ideologie?“ geht aus redaktioneller Sicht über eine sachliche politische Auseinandersetzung hinaus, weil hier einzelnen Beteiligten negative Motive zugeschrieben werden. Auch der Satz „Nicht nur, dass diese Gemeinderäte immer wieder öffentlich fordern, dass Vereine unterstützt werden“ wirkt in Verbindung mit der folgenden Zuspitzung deutlich personenbezogen und anklagend.

Vor diesem Hintergrund bitten wir um Ihre Rückmeldung, ob Sie eine überarbeitete Fassung einreichen möchten, in der die eigenen politischen Ziele stärker in den Vordergrund gestellt und die genannten Formulierungen sachlicher gefasst oder gestrichen werden. Hilfreich wäre insbesondere eine Fassung, die den politischen Standpunkt Ihrer Partei zur Vereinsförderung, zu Entscheidungsverfahren und zu den angesprochenen Themen erläutert, ohne anderen Beteiligten Motive zu unterstellen.

Mit freundlichen Grüßen
Redaktion Mitteilungsblatt
Gemeindeverwaltung Kernen im Remstal

Diese Begründungen bzw. die daraus folgenden Schreiben an die Verfasser werden in der Regel von der Künstlichen Intellegenz (KI) erstellt, die die Gemeindeverwaltung zur Kontrolle aller Beiträge für das Mitteilungsblatt einsetzt.
Leider ist es so, dass die KI oft sehr undurchsichtige und nicht nachvollziehbare Begründungen „erfindet“. So wie in diesem Fall den Satz Formulierungen wie „werden ihnen seit Jahren bürokratische Probleme gemacht“. Dieser Satz stand n i c h t im Beitrag. In der Fachsprache werden diese Art von Erfindungen als KI-Halluzinationen bezeichnet.
Merkwürdig auch die Begründung, dass Gemeinderäten keine negativen Motive zugeschrieben werden dürfen.
In der GR-Sitzung vom 25. Juni 2026 hat deshalb der Vorsitzende der PFB-WählerInnenvereinigung, Ebbe Kögel, in der Fragestunde für die EinwohnerInnen nachgefragt, wie diese KI-Halluzination zustande gekommen ist.
Eine Antwort darauf hat er nicht erhalten, der eingereichte Beitrag von Gemeinderat Ruff wurde nicht abgedruckt.