Kriegstüchtig oder friedensfähig? (2)

Vorbemerkung zu diesem Beitrag
Der Beitrag des PFB im MB 47-2025 hat eine kommunalpolitische Kontroverse ausgelöst. Zum einen durch die Zusatzbemerkung der Gemeindeverwaltung zu unserem Beitrag von letzter Woche.
Dieser Beitrag war tatsächlich unglücklich formuliert, zum einem durch die Verwendung des Ausdrucks „Kriegstüchtigkeit“ statt des vom Bürgermeister verwendeten Ausdrucks „Verteidigungsfähigkeit“. Zum anderen durch die Zusammenziehung von drei Zitaten aus verschiedenen Stellen der Rede. Dafür habe ich mich, der diesen Beitrag geschrieben hatte, im untenstehenden Beitrag entschuldigt.

Andererseits bleibt festzuhalten: nach den Richtlinien zu Beiträgen von Parteien und Wählervereinigungen im Redaktionsstatut des Mitteilungsblattes (MB) hätte dieser Beitrag gar nicht veröffentlicht werden dürfen. Zum einen wegen der Erwähnung des Ausdrucks „Kriegstüchtigkeit“, der ja so nicht gefallen war. Der Verwaltung lag ja der Wortlaut der Rede vor und es wäre ein leichtes gewesen, darauf hinzuweisen bzw. das zu korrigieren. Zum anderen hätte die unzulässige Zusammenfassung von drei Zitaten in einem Satz nicht abgedruckt werden dürfen. Dies wurde bei anderen Gelegenheit von der Gemeindeverwaltung als sog. „Zitat-Trick“ bezeichnet und nicht zur Veröffentlichung zugelassen.
In diesem Fall wurde es durchgelassen, um es danach dementsprechend denunzieren zu können. Spricht für sich selbst.
Noch eine Bemerkung zum Inhaltlichen: ja, es war einerseits eine nachdenkliche Rede des Bürgermeisters mit Bezügen zu seinem eigenen Lebensweg als Kriegsdienstverweigerer. So wurde sie von den meisten ZuhörerInnen wahrgenommen. Aber es ging ja im PFB-Beitrag vor allem um die ebenfalls in der Rede vorkommenden „neuen Töne“, die „Verteidigungsfähigkeit“ bzw. „Wehrhaftigkeit“ gegen die, so der Bürgermeister „immer offener zur Schau gestellten Drohungen und Angriffe gegen ganz Europa“. Mit dieser Behauptung, die uns propandistisch tattäglich eingehämmert wird, steht er nicht allein. Ob sie tatsächlich existiert, wird von vielen – vor allem Militärs – erheblich bezweifelt. Man könnte auch verhandeln statt für Hunderte von Milliarden aufzurüsten. Der amerikanische Präsident Trump tut es, die Europäer und Deutschen weigern sich und propagieren „Wehrhaftigkeit“.
Herr Paulowitsch hätte – mit Bezug auf seinen Lebensweg – auch sagen können: Früher habe ich die Anti-Kriegs-Lieder von Reinhard Mey und Hannes Wader gehört und für gut befunden. Und das tue ich immer noch, wenn Reinhard Mey singt: „Meine Söhne geb ich nicht“.

In diesem tollen Lied heißt es nämlich:

„Sie werden nicht in Reih’ und Glied marschieren,
nicht durchhalten, nicht kämpfen bis zuletzt,
auf einem gottverlass’nen Feld erfrieren,
während ihr euch in weiche Kissen setzt

Ich werde sie den Ungehorsam lehren
Den Widerstand und die Unbeugsamkeit
Gegen jeden Befehl aufzubegehren
Und nicht zu buckeln vor der Obrigkeit
Wir haben nur dies eine kurze Leben
Ich schwör′s und sag’s euch g′rade ins Gesicht:
„Sie werden es für euren Wahn nicht geben“
Nein, meine Söhne geb ich nicht
Nein, meine Söhne geb ich nicht

Hier der Link zur neuen Version mit Reinhard Mey und Freunden:
https://www.youtube.com/watch?v=1q-Ga3myTP4&list=RD1q-Ga3myTP4&start_radio=1

Wenn Herr Paulowitsch am Ende seiner Rede „Demut vor der Geschichte“ einfordert, dann ist dazu zu sagen: es war Deutschland, das im letzten Jahrhundert zwei Mal Russland bzw. die Sowjetunion angegriffen hat. Und nicht umgekehrt!
Ebbe Kögel für das Parteifreie Bündnis PFB


PFB-WählerInnenvereinigung für Mitteilungsblatt 48-2025 vom 26.11.2025

Durch den Bericht des PFB im MB der letzten Woche über die Rede von BM Paulowitsch bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem St. Pierre Platz in Stetten kam es zu Missverständnissen und einem falschen Eindruck des Gesamtinhaltes der Rede des Bürgermeisters.

Zum einen durch einen als wörtliches Zitat gekennzeichneten Satz, in dem drei verschiedene Begriffe, die in seiner Rede an unterschiedlichen Stellen verwendet wurden, in einem Zitat zusammengefasst wurden. Ohne dies entsprechend zu kennzeichnen. Zum anderen durch die Verwendung des Begriffes „Kriegstüchtigkeit“, der in der Rede selbst nicht vorkam. Herr Paulowitsch sprach von der Notwendigkeit der „Verteidigungsfähigkeit“ gegen Aggressoren. Diese Fehler bedaure ich und möchte mich dafür entschuldigen.
(Die gesamte Rede kann auf der Webseite der Gemeinde abgerufen werden)

Als ich das schrieb (Redaktionsschluss ist Montags um 10 Uhr) lag mir allerdings der Wortlaut der Rede nicht vor und ich wurde von der Redaktion auch nicht darauf aufmerksam gemacht, dass der von mir erwähnte Begriff „Kriegstüchtigkeit“ vom Bürgermeister nicht verwendet worden war.

Es bliebe die Notwendigkeit, darüber zu sprechen, wie wir mit Aufrüstung und Wehrpflicht in Zukunft umgehen. Insbesondere wenn es darum geht, dass die jungen Männer unserer Gemeinde wieder Wehrdienst ableisten müssten. Zu einem öffentlichen und moderierten Streitgespräch darüber wäre ich gerne bereit.
Ebbe Kögel

Initiative „Aufbruch zum Frieden“
Die 2024 gegründete Initiative trifft sich alle 4 Wochen. Nächstes Treffen ist am 17.12.. Neue MitstreiterInnen herzlich willkommen. Kontakt: Susanne Häberle, Tel. 0162.852 90 70, susannehaeberle@web.de

Schülerinnen der Rumold Realschule am Volkstrauertag, 16.11.2025, St. Pierre Platz, Motto „Hoffnung“, Foto PFB